PETER RIEDLINGER FOTOGRAFIE


Apokalypse offen - seltsame Funde

Peter Riedlinger, Versprechen IV, 2014

Das Versprechen IV, 2014, vierteilig, c-prints, 32 x 42cm

Peter Riedlinger, Das Versprechen

Installation view: Peter Riedlinger, Das Versprechen, Rochus Kirche 2014

Peter Riedlinger, Das Ereignis

Installation view: Peter Riedlinger, Das Ereignis, Rochus Kirche 2014

15/16

»Apokalypse offen - seltsame Funde« 21.09 – 12.10.2014, Rochus Kirche, Göschweiler (DE); Galerie KunstGrenze, Konstanz (DE) mit Arbeiten von: Hans Joachim von Büdingen, Johannes Dörflinger, Peter Riedlinger

Ausstellungsansichten: Peter Riedlinger, Das Versprechen, 2014, vierteilig, c-prints, 30 x 40cm; Das Ereignis, 1997, 48 Hochzeitportaits, Silbergelatineabzüge, 27,5 x 20cm

Apokalypse als Blick auf die eigene Welt

Eine apokalyptische Vorstellungswelt geht davon aus, dass Geschichte einmal ein Ende findet. Dieses Ende freilich wird noch einmal besonders ausgemalt. In verschiedenen Bildern ausgedeutet, ist das apokalyptische Ende ein schreckliches. In der christlichen Variante, wo die "Enthüllung" zugleich auch als "Offenbarung" gelesen wird, haben alle Schreckensvisionen aber noch eine tiefere Sinnspitze. Schließlich will in diesem Kontext die Apokalypse nicht nur das mehr oder weniger nahe Ende beschreiben und konkretisieren, sondern, mehr noch den Sinn von Geschichte offenlegen. Vom Ende her ist das Ganze zu verstehen. "Seltsame Funde": In der Rochuskirche überrascht nun zunächst einmal, dass Riedlinger die archaischen Bilder, die auf der visualisierenden Ebene das Weltende religiös-apokalyptisch beschrieben haben, aufgreift. Dass das Meer über die Ufer treten kann ist eben uralte Angst und damit bestes Mittel, ein finales Schreckensbild zu entwerfen. … Riedlinger kontrastiert seine bedrohlichen Meeresbilder mit alten Hochzeitsfotos. Wie die Handschriften erinnern diese in diesem Kontext der Ausstellung an eine andere Vorstellungswelt, den Vanitasgedanken, das Memento mori, das Spiel mit der Vergänglichkeit aller Dinge. Das führt natürlich in eine ganz andere Welt von Vorstellungen und Emotionen. Ruft die Apokalypse eigentlich Angst, vielleicht eingesetzt zur moralischen Konditionierung, im besten Fall aber auch Hoffnung hervor, ist die Vanitas der Melancholie verschwistert. "Apokalypse offen": Die Kombination dieser beiden Momente des Bedrohlichen und des Melancholischen soll aber keineswegs zu Fatalismus führen. Dörflicher postulierte das Gegenteil: "Apokalypse offen ist hier nicht der Schrecken eines Untergangs, keine Endzeit, kein Krieg, keine Folter und auch keine Hölle. Die Bilder zeigen eine freie Möglichkeit, wie wir unsere Welt sehen". Dass diese Offenheit aber auch getrübt ist, genau dieser Spannungsbogen macht die Stärke der Ausstellung aus. Die ist alles andere als trivial, sondern eine wunderbare Bestandsaufnahme von uns Menschen in der Gegenwart. (Karla Scherer, in: Badische Zeitung, 23.09.2014)


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